caspars Arbeiterleben

Freitag, 6. November 2009

147_ Die Plath´sche Glocke 17!

Zurück blickend kann ich gar nicht mehr sagen, was denn nun der Klinikaufenthalt für meine seelische Verfassung getan hatte oder nicht getan hatte. Ich sprach über meine Kindheit, meine Jugend, meine zeit als Heranwachsender und entdeckte gemeinsam mit einem Psychologen eigentlich nur, dass die bisher vergangene Zeit bis jetzt ein einziger Kampf für mich gewesen waren, meine Unsicherheit in den Griff zu bekommen, was aber nie wirklich möglich war, weil mir nichts und niemand Sicherheit gegeben hatte. Hinzu kamen Zweifel an meiner Person, die so gravierend waren, dass ich keine Ahnung mehr hatte, wer ich war und was ich überhaupt hier sollte. Alles in allem also Schöne Aussichten!

Nach zwei Monaten in der Anstalt bewegte ich mich relativ frei und gelassen zwischen all den Hirnis und Aufpassern. Ich machte wie gehabt meine Entspannungsübungen, malte fleißig irgendwelche Bildchen, die hinterher analysiert und interpretiert wurden, ich quakte in der Gruppe über meine Belange, die, verglichen mit den anderen, aber einen ebenso großen Stellwert bekommen hatte. Nachmittags hockte ich im Apartment, dudelte auf der Gitarre und dachte an Karin, die mich auf einen heiklen Weg geschickt hatte, einen Weg voller Fragezeichen. Sobald ich angefangen hatte mal richtig nachzudenken, kam eigentlich nur eines ans Tageslicht, dass niemand, kein einziger Mensch auf dieser gesamten runden Kugel von irgendetwas irgendeine Ahnung hat. Keiner kann dir tatsächlich sagen, was das hier denn alles soll, aber alle haben sie ihre dämlichen Ratschläge parat, die dich nur noch mehr zweifeln lassen.
Jedenfalls sollte ich nach zwei Monaten eine Urlaub antreten, eigentlich war es mehr ein Test, ob ich in der "Freiheit" wieder finktionieren würde; ich sollte nach hause fahren, für ein Wochenende und mich am Sonntagabend zurück melden für den letzten Monat.
Also packte ich eine Tasche zusammen und fuhr mit dem Zug in meine Heimatstadt. Zuerst wusste ich nicht recht, wohin ich gehen sollte, besuchte dann aber erstmal meine Eltern. Schon als ich an der Tür stand und meinet Mutter mir öffnete, ging das Geheule wieder los.

"Ach, mein Junge? Wie geht es dir? Hast du Hunger? Komm´ rein!" sagte sie und ging voraus. Eigentlich wollte ich sie umarmen, aber ich hatte begriffen, dass meine Mutter nicht eben die offenherzige Frau war und ließ sie gehen. Ich hängte meine Jacke an die Garderobe und fragte:
"Ist er auch da?"
Mir "er" meinte ich natürlich meinen Vater. Er saß im Wohnzimmer unglotzte wie immer in die Röhre, den Sportsender in einer elenden Lautstärke. Auch er begrüßte mich nicht gerade herzlich, stand nicht mal auf, sondern griff zur Fernbedienung und machte noch lauter, als wollte er meinen Schieß nicht hören, wobei ich noch nicht mal vorgehabt hatte ihm irgendwas von meinem Aufenthalt zu erzählen, Er konnte ganz beruhigt seine Sportsendung schauen. Bis auf ein kurzes "Wie geht´ s?" kam auch sonst nicht viel.
Wir saßen dann am Tisch und aßen etwas zusammen, redeten nicht viel, nur über die Zukunft und was ich denn nun machen wolle.
"Vielleicht gehe ich weg!" meinte ich, " also in eine andere Stadt!"

"Und wohin?" fragte mein Alter und stopfte sich den Mund mit Schmalzbrot voll.

"Wahrscheinlich Berlin!" sagte ich.
"Einfach so? Du brauchst doch ´ne Wohnug, einen Job. Vonwas willst du das denn bezahlen?"

"Ich finde schon was! Aber ich muss hier raus. Ich kann die ganzen Leute nicht mehr sehen. Die Musik geht mir auf die Nerven. Alle reden immer nur von Erfolg und Berühmtheit. Mich kotzt das an!"

"Kann ich verstehen!" sagte er, " aber die haben wenigstens Ehrgeiz, die legen sich ins Zeug; du... du hast doch noch nichts geleistet!"

"Nichts geleistet?" fragte ich mit etwas lauterer Stimme, " ich arbeite seit meinem 14. Lebensjahr, habe eine abgeschlossene Ausbildung, habe zwei Jahre in einem Drei-Schichten- Betrieb malocht, morgens, mittags, abends; ich habe etliche Jobs gemacht, auf dem Bau, sonst wo und dann habe ich meinen Realschulabschluß nachgemacht und mein Abitur. Willst du mir sagen, ich habe noch nichts geleistet mit meinen fünfundzwanzig Jahren?"

"Reg´ dich doch nicht auf. So habe ich es nicht gemeint. Ich meinte, du hast noch nichts erreicht mit deinem ganzen Kram. Was bringt dir denn das Abitur? Du wisst doch gar nicht, was du studieren willst? Wozu das alles? Ich meine, du musst mal etwas auf die Beine stellen...!"

"So wie du, was?" fragte ich, " Als Kraftfahrer umher kutschieren und ansonsten
rumbrüllen? Was ist denn das?"

"Du hast doch keine Ahnung!" prahlte er.

"Sicher, sicher, aber du, was?"

"Ich will jetzt die Sportschau kucken, also bitte!"

Er stand auf vom Tisch, schmiss sein Messer hin und trabte ins Wohnzimmer zu seiner geliebten Glotze, der alte Sack, der wollte mir sagen, ich habe nichts geleistet? Ich hätte ihm in diesem Moment gern eins in die Fresse gegeben, traute mich aber nicht. Erstmal war ich überhaupt kein Schläger und außerdem war mein alter Herr war Mittelgewichtsmeister im Boxen gewesen. Der hätte mich damals mit einem Hieb umgehauen.
Früher, als ich etwas acht Jahre alt war, nahm er mich immer mit zum Training und Boytraining ist mit das Schlauchenste was es so gibt: Springseil für die Kondition, Sandsack boxen, Liegestützen usw. Ich konnte immer nie meine Arme hinterher gewegen, ich kleiner Bursche.

Ich verabschiedete mich von meiner Mutter, rief irgenwas ins Wohnzimmer und machte, dass ich da wegkam. Ich fuhr dann in meine Bude, wo es erbärmlich stank, dass ich alle Fenster aufreißen musste. Dann hockte ich mich ans Telefon und rief Anna an, die Kleine aus dem Cafe, diesen Paradiesvogel mit ihren bunten Klamotten, vielleicht würde die mich ja etwas aufheitern können, wenn sie überhaupt Zeit für mich hatte?



...

Montag, 2. November 2009

146_ Die Plath´sche Glocke 16!


Wir gingen also runter in die Stadt und suchten nach einer kleinen Kneipe, um ein oder zwei Bierchen zu trinken. Die Stadt lag mitten in den Vorläufern des Harzes und von der Klinik aus konnte man bei gutem Wetter fast bis zum Brocken blicken, dieses Bergchen im anderen Teil der Republik. Die Wege nach unten in die Stadt waren deshalb teilweise recht steil und als Fußgänger musste man dementsprechend aufpassen nicht auf die Fresse zu fallen. Besoffen wollte ich die wege wahrlich nicht abgehen und nahm mir vor höchstens zwei Biere zu trinken.
Wir fanden eine Kneipe, die das typische Ambiente einer konservativen Arbeiterkleinstadt ausstrahlte. Die Wände waren mit Holz getäfelt, auf den Tischen lagen häßliche bunte Decken, dazwischen gab es die übergroßen Aschenbecher und einen Plastikaufsteller mit Bierdeckeln darin.

"Da drüben!" sagte der Beamte und zeigte rechts vom Eingang zu einem freien Tisch hinüber.

"Wollen wir uns lieber an die Theke setzen?" fragte ich und sah mich um.

"Nee, keine Lust zwischen den Bauerntrampeln zu sitzen!"

"Haste auch wieder recht!"

Also nahmen wir den freien Tisch, hockten uns auf eine Bank am Fenster, das mit dicken Stoffgardinen zugehängt war und die ekelhaft stanken, platz. Wir warteten auf eine Bedienung oder ähnliches und derweil blickte ich nochmals in die Runde und besah mir die Gestalten vor ihren Biergläsern. An der Theke saßen vier Typen mit hängenden Schultern vor jeweils einem halbvollen Glas Bier und gellerten Korngläsern. Niemand sagte etwas. Aus einem Musikautomaten schredderten die FLIPPERS ihre Gitarrensaiten zu Brei und trällerten von irgendwelchen Weibern in Griechenland oder sonstwo und das der Kerl ja gern geblieben wäre, aber er nun Abschied nehmen müsste... zum kotzen diese Mucke. Hinter der Theke stand ein baumhoher Kerl mit Lederweste, also auch das typische Outfit für einen Kneipenbesitzer am Ende der Welt und passend zu seiner Einrichtung. Ich fragte mich, was ich hier verloren hätte und schaute dann zum Beamten hinüber, der sich sichtlich entspannt hatte und seine Manie wohl im Griff hatte, jedenfalls versuchte er nicht Ordnung auf dem Tisch zumachen, sondern blickte nur suchend auf jemanden, dem er endlich seine Bestellung entgegen posaunen konnte.
Als sich niemand rührte, rief er zum Wirt hinüber, ob wir denn zwei große Pils haben könnten. Der Wirt nickte und zapfte stumm die Biere.

"Großer Gott!" fing ich an, " hier kriegste ja erst recht Depressionen. Kuck dir nur diese Hänger an; alle ausgelaugt, ausgebrannt und abgestorben. So verbringen die ihre Abende und wahrscheinlich auch ihren Lebensabend, oder?"

"Ich kann mir auch was besseres vorstellen, also jeden Abend in der Kneipe zu sitzen!" meinte der Beamte.

"Und dann diese Mucke?"

"Naja, die geht ja noch. Sind die FLIPPERS; glaube ich, oder?"

"Keine Ahung! Ich kriege Bauchschmerzen, wenn ich sowas höre."

"Wollen wir woanders hingehen?" fragte der Beamte.

"Nee, nee, egal!"

Die Biere kamen und der Wirt griff zu den Deckeln im Plastikständer, zückte zwei Deckel heraus, schmiss sie vor uns hin und stellte seine Gläser ab.

"Prost!" sagte er und drehte sich wieder um.

Wir prosteten uns zu und der Beamte verriet mir dann auch endlich seinen Namen, Heinz. Klar, dachte ich, wie auch sonst. Heinz hießen sie alle, die Arbeiter aus der Mittelklasse, manche Karl Heinz mit oder ohne Bindestrich; aber durchweg Heinz; eine Welt voller Heinzens. Ich erinnerte mich an die Gärtnerei, an Karin, an Richard, an den Typen vom Winterdienst, der seit Jahren mitten in der Nacht seinen LKW fuhr und dann kamen Erinnerungen an MARA hoch, die ich aber schleunigst verdrängte, weil ich keine Lust hatte mir vor Heinz die Blöße zu geben und vielleicht noch zu flennen. >Ich nippte an meinem Bier und wartete.
Plötzlich fing Heinz dann leise an zu quatschen und meinte:
"Weißt du? Ich war nicht immer so launisch und ekelhaft..." , er machte eine Pause und suchte wohl nach Worten, " ich wollte eigentlich zur See fahren, auf einem Schiff anheuern und die Welt auf dem Meer befahren, aber meine Mutter ließ mich nicht. Ihrer Meinung nach sollte ich einen ordentlichen Beruf erlernen und meine Flausen im Kopf vergessen."

"Zur See fahren?" fragte ich ungläubig.

"Ja, klar! Glaubst du vielleicht, ich wollte jemals so einen idiotischen Beamtenjob ausüben, wo man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und irgendwelche Formulare ausfüllt, Stempelkarussels dreht und diese Zettelwirtschaft auch noch in Leitzordner abheftet... ?"
Wieder machte er eine Pause und trank einen großen Schluck aus seinem Bierglas.
"Ich arbeitete in einer Versicherungsanstalt und hatte mit so Anträgen für irgendwelche Bezahlungen zu tun. Entscheidungen traf ich kaum, ich war nicht für eine Antragsbewilligung zuständig, sondern kontrollierte nur die Vollständigkeit der einzelnen Anträge. Jeden Tag blätterte ich die Zettel nur durch, ob die Anlagen J und P3 und die Anlage T-78-O5 vorhanden, sämtliche Blätter ordentlich unterschrieben waren, ob eventuell Unterlagen fehlten zur endgültigen Entscheidung über die Anträge und so weiter. Wer sich das nur alles ausgedacht hatte, musste schon einen Dachschaden haben."

"Sehe ich auch so!" antwortete ich und bestellte noch zwei großer Biere.

"Abends komme ich nach hause zu meiner Frau, die sich seit unserer Hochzeit gewaltig verändert hat und mich kaum noch registriert. Neuerdings macht sie Entspannungübungen und Yoga, geht auf Veranstaltungen für Ernährungsberatung. Ich kriege nur noch Reformkost und Körnerfressen, das meinen schlechten Zähnen gar nicht bekommt. Wenn ich mal anfange ein Gespräch mit ihr führen zu wollen, blockt sie immer ab und meint, sie hätte jetzt keine Zeit, immer hat sie was zu tun und Sex gibt es schon seit Jahren nicht mehr, was mich nicht sonderlich stört, da ich jedes sexuelle Interesse an ihr verloren habe... ich frage mich aber, was das noch soll? Dieser Job? Diese Frau? Dieses Leben? Warum haue ich nicht einfach ab? Man sagt doch, es ist nie zu spät irgendwas zu ändern, oder?"

"Sicher!" antwortete ich, " ist nur schwer uas so einem Teufelskreis heraus zu kommen,"

"Wenn man sowas nur vorher gewusst hätte, ich meine, dass mit der Frau und mit dem Job, da hätte ich doch nie geheiratet oder auf eine Stelle als Versicherungsangestellter hin beworben. Aber man weiß es nie vorher..."

"Und nun?" wollte ich wissen.

"Jetzt haben die über meinen Kopf hinweg entschieden, mich in einen Zwangsurlaub zu schicken, also die bei der Versicherung, weil ich angeblich zu häufig komische Dinge tat, so Selbstgespräche und dieses "Dinge verschieben"... ich kann es nun mal nicht ertragen, wenn auf meinem Schreibtisch Chaos herrscht, alles braucht seinen ordentlichen Platz, oder nicht?"

"Kann sein, ja! Aber wenn das zur Manie wird, wird´s kompliziert. Ich meine, dann könnte man ja ständig an den Gegenständen herum rücken; hier zum Beispiel: der Aschenbecher, steht der genau in der Mitte des Tisches? Oder die Decke, liegt sie so auf dem Tisch, dass alle vier Ecken gleich lang nach unten hängen, verstehst du?"

"Ja, ja! Ich verstehe. Ich bin auch schon soweit, dass ich fast überall nach meinen Kriterien aufräumen muss, selbst zu hause, was natürlich immer einen Streit mit meiner Frau hervor ruft, ist mir aber egal. Ich brauche das eben. Ich brauche das, um nicht völlig aus dem Ruder zu laufen!"

"Und deine Frau? Ich meine, sie hat zu gestimmt, dass man dich da oben einliefert?"

"Ja, sicher, sie ist wahrscheinlich auch froh, dass sie mich jetzt los ist, dann kann sie ihre blödes Reformkostfressen kochen und von morgens bis abends ihr Yoga machen!"

"Aber ich verstehe nicht, wie man das über deinen Kopf hinweg entscheiden konnte; so blöde bist du doch nun auch nicht!"

"Na ja, ich bin irgendwann im Schlafanzug in der Firma erschienen, hab es selbst gar nicht bemerkt; alle Leute glotzten nur doof und schließlich hat man meine Frau angerufen, sie in ihren Yogaübungen unterbrochen; die kam dann gleich ins Büro und redete mit dem Chef, dann rief man einen Krankenwagen und verfrachtete mich erstmal in ein Krankenhaus. Dort wurde ich untersucht und der behandelnde Arzt sprach wieder nur mit meiner Frau und sagte ihr wohl, dass ich in psychiatrischer Behandlung gehöre. Die Firma beurlaubte mich, der Arzt besorgte einen Platz in der Neurologischen Anstalt und ich wurde mit dem Krankenwagen hierher gebracht. Keiner hatte nach meiner Meinung gefragt."

"Und jetzt? Du könntest doch einfach gehen, oder nicht?"

"Klar! Aber jetzt will ich nicht mehr. Ich bin froh, meinem Job und auch meine Frau für eine Zeit lang los zu sein. Zwar gehen mir alle Insassen der Anstalt auf die Nerven, aber jetzt im Apartment ist es einigermaßen erträglich geworden. Wahrscheinlich werde ich irgendwann einfach abhauen, meine Sachen packen und verschwinden."

"Wohin?"

"Mal sehen! Vielleicht löse ich mein Konto auf; ich habe einiges gespart; dann mache ich mich aus dem Staub."

"Tja, warum eigentlich nicht! Es ist nie zu spät!"

Ich war leicht angeschlagen, der Alkohol stieg doch schneller zu Kopf, als vermutet und ich trank mein zweites Bier nicht aus. Heinz goss sich den Rest aus meinem Glas hinunter und dann stand er auf, um die zu bezahlen.

"Ich übernahme das!" sagte er und ließ keine Wiederrede zu. Ich nickte nur und wartete am Ausgang auf ihn. Auf dem Weg zurück in die Klinik blieben wir still, keiner hatte Lust noch viel zu sagen und ich dachte über Heinz`Geschichte nach. Da war mal wieder so ein demolierter Kerl, der sich zuerst durch eine völlig stupide Arbeit und dann noch von einer Frau hatte terrorisieren lassen, so lange bis er zusammen gebrochen war und verblödet in sein Büro gestiefelt kam, im Schlafanzug. Ich stellte mir die Situation vor und musste lachen.
"Was hast du?" fragte Heinz, als wir vor der Türe zur Klilnik standen.

"Ich stelle mir eben vor wie du im Schlafanzug in dieser akkuraten Versicherungsanstalt aufgetaucht bist, so mit strubbeligen Haaren und heraus hängendem Geschlechtsteil, hahaha..."
Heinz grinste über beide Backen und stiess die Tür auf. Am Empfang saß eine dicke Krankenschwester mit übertrieben geschmicktem Gesicht und schaute auf uns zwei, als seien wir Verrückte. Sie schüttelte ihren schweren Kopf und legte einen Finger an den geschlossenen Mund, wir sollten ruhig sein.
Heinz und ich gackerten und grinsten, weil wir wohl etwas betrunken waren, wegen der Schlafanzug-Aktion und weil wir tatsächlich verrückt waren.








...



Freitag, 30. Oktober 2009

145_ Die Plath´sche Glocke 15!



Ich glotzte den Beamten sturr an und fragte ihn dann, was er denn nun wieder damit meinte. Er ging einen Schritt zurück, grub sich die Hände, die er zu Fäusten geballt hatte, in die Hüften und sagte:

"Du kannst mir gar nichts!"

"Ich will dir ja auch nichts!" antwortete ich und beugte mich nach vorn, um mich auf meine Knie zu stützen. Diese Situation hatte schon fast etwas Lächerliches an sich und der Beamte benahm sich, als hätte ich ihn angegriffen und nicht umgekehrt.

"Was machst du überhaupt hier? Hockst da rum und grinst mich an! Denkst wohl ich hätte sie nicht mehr alle, was? Ich weiß schon ganz genau, wie ihr alle über mich herzieht, als sei ich der völlige Idiot. Aber, glaub´mir, ich habe hier nichts verloren. Ich habe mit euch nichts gemein. Und dass man mich hier reingesteckt hat, habe ich ganz allein meiner dämlichen Alten zu verdanken, die hat das veranlasst; dabei sollte sie hier zwischen euch sein, nicht ich!"

"Ich weiß gar nicht, was du hast!" meinte ich, "du führst dich auf, als wäre ich an deiner Lage Schuld. Bin ich deine Frau? Außerdem interessiert es mich nicht die Bohne, wer oder was daran Schuld ist, dass du hier bist. Von mir aus kannst du tun und lassen, was du willst, aber laß`mich zufrieden, ja?"

"Aber du bist es doch der sich die ganze Zeit über mich lustig macht, oder etwa nicht? Wenn ihr da beisammen sitzt in eurem verpafften Aufenthaltsraum, zwischen eurem Dreck und Gestank, prahlst du doch nur über mich rum!"

"Du spinnst ja völlig!"

"Schon wieder! Ich lasse das nicht zu, dass du mich für blöde hinstellst. Die ganzen Idioten glauben, dass ich dämlich sei, bin ich aber nicht; und du stachelst sie ewig an!"

"Ich glaube, du leidest ganz extrem unter Paranoia, oder was? Ich stachele die anderen an? Wie denn? Was tue ich denn? Guck´dich doch mal an! Du sitzt da allein an deinem Tisch, schiebst ständig die Dinge hin und her, glotzt immer zu uns herüber, stehst auf, setzt dich hin, stehst auf... was willst du? Glaubst du denn tatsächlich, du bist hier fehl am Platz bist? Es wird schon seinen Grund haben, dass du hier bist, wie es für uns alle einen Grund gibt, dass wir hier sind. Hör`gefälligst auf, andere für deine beschissene Lage verantwortlich zu machen."

Er ging Schritt um Schritt zurück und plumpste dann auf sein Bett. Dann fiel sein Kopf nach vorn und schließlich sein gesamter Körper auf den Boden. Er fiel wie ein nasser Sack auf den Teppich und blieb erstmal liegen.
Ich fragte mich, was ich tun sollte, ob ich jemanden zu Hilfe holen sollte oder diesen Beamtenschreck einfach da auf dem Boden verkümmern lassen sollte. Ich stand auf, ging zu ihm hinüber, tippte ihn vorsichtig an die Schulter, rüttelte dann heftiger und als er sich nicht rührte, bekam ich doch Schiß. Wenn ihm nun das Herzelein stehen geblieben war? Oder er aufhören sollte zu atmen? Ich beugte mich etwas vor und lauschte auf regelmäßige Atmenzüge. Er lebte noch, war aber irgendwie weg getreten.

"Ey!" rief ich ihn an, "steh´auf und mach´hier nicht den Mitleidserreger, ja?"
Wieder tippte ich ihn an und er hob zu meinem Glück seinen Kopf, starrte mich entsetzt an und ließ den dicken Schädel wieder zu Boden fallen.

"Ey!" rief ich lauter, " komm`hoch, ja? Ich habe keine Lust auf so eine Show. Ich denke, du bist völlig normal? Was soll denn das hier? Kriegt der harte Kerl jetzt seine Krise, oder was?"

Er rührte sich noch immer nicht. Langsam wurde mir die Sache zu blöd und ich griff nach meinen Zigaretten, kramte mir eine Zeitung hervor und ging hinüber ins andere Gebäude in den Aufenthaltsraum. Als ich dort eintraf tat ich ganz cool und erwähnte mit keinem Wort den Beamten, der nun in meinem Apartment stumm und steif wie ein Toter lag. Sollte der doch versauern, verkümmern oder nie wieder aufstehen, wen schert das schon? Vielleicht konnte man ihm eine Lektion erteilen, dass er zur Besinnung kam; dass er endlich begriff wie verrückt er ist.
Schon nach einer kleinen Weile bekam ich ein schlechtes Gewissen. Ich stand ohne ein Wort auf und einige Augenpaare glotzten mir seltsam hinterher. Ich rannte fast hinüber zum Apartment, riss dann dort die Tür auf und starrte auf den Kerl, der mittlerweile auf seinem Bett hockte und heulte wie ein kleiner Junge.

"Alles klar?" fragte ich ihn und ging auf ihn zu, griff an seine Schulter und beugte ihn etwas nach hinten, um in sein Gesicht sehen zu können.

"Das bleibt unter uns!" jammerte er.

"Sicher!" antwortete ich, " ich habe keinen Grund das irgend jemanden zu erzählen, warum auch?"

"Okay!" sagte er und schniefte sich den Rotz hoch, "ich brauch` jetzt frische Luft, hast du Lust mit zu kommen?"

"Nicht unbedingt!" sagte ich; ich wartete auf´s Abendessen, hatte Hunger und wollte eigentlich lieber für mich sein, willigte aber doch ein und begleitete ihn hinaus in den Park.

Wir latschten gemächlich unter den Bäumen herum, blickten auf unsere Füße und niemand sagte etwas. Ich verstand noch immer nicht, warum der Kerl mich für einen Teufel oder was hielt oder gehalten hatte. Etwas war an mir, was ihm Angst machte, etwas, das weder er noch ich erklären konnten, und diese Angst hatte schließlich dazu geführt, dass der Idiot mal endlich los gelassen hatte, mal endlich seine Steifheit aufgegeben hatte und sich wie ein Mensch benahm.
Der Park war nicht sonderlich groß und wir marschierten im Kreis um eingefasste Beete auf einem gepflasterten Weg entlang. Ich zählte die Steine ab und dachte, wie immer wenn ich Steine sah, an Richard, diesen Steinsetzer, diesen Hünen mit seiner ewig guten Laune, der den Mädels hinterher pfiff und mit mir um die Wette gepflastert hatte. Der würde jetzt sicher zu hause auf der Couch liegen, die Fernbedienung in der Hand, seine Frau brächte ihm ein Bier oder so was und er würde seinen Feierabend genießen. Allerdings dachte ich auch daran, dass Richard immer noch bei seinem Job war, immer noch auf den Knien herum kroch und Steine in den Sand klopfte, wie damals, als ich ihm mitgeholfen hatte. Wie man so eine Tätigkeit nur über Jahre hinweg ausführen konnte, war mir schleierhaft.
"Was ist los?" fragte mich plötzlich der Beamte und schaute mich von der Seite an.

"Ach, nichts! Ich habe eben an meine Jobs gedacht. Die Steine hier erinnerten mich an einen Job, den ich mal als junger Kerl hatte. Ich war auf dem Bau, habe Steine in den Sand gehämmert, Bier und Korn gesoffen und Skat gespielt."

"Aha!" machte der Beamte, " Und?"

"Nichts und! Ich frage mich, wie man so einen Job bloß vierzig oder mehr Jahre aushalten kann!"

Wir waren wieder am Eingang angekommen, schauten uns kurz an und gingen weiter auf eine neue Runde.

"Hast du Lust auf ein Bier?" fragte er mich plötzlich und grinste.

"Wie? Ein Bier? Wo denn?" fragte ich zurück.

"Na, unten in der Stadt. Ich gehe manchmal da hin, um zu essen, weil mir das Essen in dieser Anstalt nicht schmeckt. Diese ganze Suppe, die da zusammen gekocht wird, ist oft zu eklig."

"Eigentlich wollte ich keinen Alkohol trinken!" beteuerte ich ihm.

"Wir müssen uns ja nicht besaufen, oder? Nur ein, zwei Bier, zur Entspannung."

"Okay! Dann los!" sagte ich.





...


Montag, 26. Oktober 2009

144_ Die Plath´sche Glocke 14!


"Und was soll ich jetzt tun?" fragte ich Bernd, der unaufhörlich wippte und sabberte.

"Ignorier`ihn einfach, dann hört er schon von allein auf mit seinem Stuss. Ist dir mal aufgefallen, dass er nur allein sitzt, egal wo?"

"Sicher! Ich dachte, die anderen würden ihn meiden, weil er sie ständig angreift."

"Nee, nee, das hat er sich allein ausgesucht. Anfangs saß mal Annabelle neben ihm, wollte Konversation machen, aber er hat sie sofort angegriffen, sie als bescehuerte Tussi beschimpft, die wohl in einem Zug zur Welt gekommen war. Annabelle ist heulend davon gelaufen. Seit dem sitzt er allein. Der will doch gar keinen Kontakt. Und wir tun ihm den Gefallen. Wenn man nicht auf sein Gerede eingeht, wird er irgendwann ganz still, versuch es. Anders wirst du das mit ihm in einem Appartment gar nicht aushalten. Ignorier`ihn!"

" Mal sehen. Er nervt nur mit seinem Gequatsche über die Blöden hier. Als ob er der einzige wäre, dem nichts fehlte."

"Ja, ich weiß. Aber glaub´mir: der hat richtig einen an der Waffel!"

Bernd hörte kurzzeitig mit seinem Gewippe auf und versuchte zu rauchen, was allerdings nicht gelang und ich musste ihm die Kippe halten. Er nahm einen Zug und ich zerrte ihm die Zigarette aus dem Mund, hielt sie eine Weile in der Hand bis er mich ansah und blinzelte, er wolle wieder einen Zug nehmen.
Annabelle stand am Fenster uns gegenüber und schaute in ihr bekanntes Nichts. Ab und an sah sie zu uns hinüber und verzog keine Miene, als seien wir durchsichtig. Trotzdem hatte ich das Gefühl sie wolle Kontakt mit mir aufnehmen, weil sie eigentlich immer zu mir hinüber schaute, wenn ich im Aufenthaltsraum saß. Während der einzelnen Anwendungen hockten wir stumm zusammen und würdigten uns keines Blickes. Bisher hatte ich sie nicht einmal mehr sprechen gehört und vermutete, sie würde wohl kein Wort sagen können, weswegen auch immer.

"Hat Annabelle eigentlich mal mit dir geredet?" fragte ich Bernd und drückte seine durchnässte Kippe in den Aschenbecher.

"Mit mir jedenfalls noch nicht! Ich glaube sogar, sie hat bisher mit niemanden gesprochen. Vielleicht mit den Psychologen."

"Komisch!"

"Was denn?" fragte Bernd.

"Naja, ich habe ständig das gefühl, sie guckt zu mir herüber, als wolle sie etwas von mir."

"Ist mir auch schon aufgefallen."

"Soll ich sie mal ansprechen?"

"Keine Ahnung! Wahrscheinlich fängt sie sofort an zu schreien und zu kratzen. Oder sie brüllt nach einem Nachtzug in Richtung Istanbul oder so!"

"Meine Fresse, musst du immer so gemein sein?"

"Was sollte ich sonst tun? Soll ich rumheulen und mit den Füßen aufstampfen? Mir ist alles egal, das solltest du kapieren, was? Ob hier eine verrückt ist oder nicht, macht mich nicht an. Ebenso dein Beamter; der kann sonstwo im Orbit kreisen und würde mich nicht tangieren. Ihr könnt mich mal alle!"

"Is´ja gut!" beruhigte ich ihn, "ich besorg´dir ´n ordentlichen Strick!"

"Hilft nichts, weil ich zu voll gepumpt bin, als dass ich noch einen Knoten binden könnte, der mich trägt."

Er lachte und ich konnt nicht anders, als mitlachen. Wir sollten uns wahrlich nicht zu ernst nehmen, dachte ich. Die Welt ist voll von Verückten und wir sind genau unter ihnen... als Verrückte.
Ich stand auf und ging zum Fenster. Ich wollte es nun probieren und Annabelle einmal ansprechen, egal wie sie reagieren würde, ich würde sie schon nicht verschrecken.

"Hallo!" fing ich an und wartete eine Zeit, aber von ihr kam keine Regung. Ich beugte mich zur Seite, um ihr ins Gesicht zu schauen und blickte in völlig tote Augen. Sie war fast apathisch, abwesend, nicht auf dieser Welt und ich drehte mich weg und ging zurück in mein Apartment, hob zumGruß die Hand an Bernd gerichtet und marschierte davon. Auf dem Flur jammerte Roswitha mir entgegen, machte aber einen großen Bogen um mich und stolperte an der Wand entlang. Was diese Frau geritten hatte, konnte ich nicht mal vermuten.
Als ich in mein Appartment kam lag der Beamte auf seinem Bett und las in irgendeinem Buch. Kaum saß ich auf meinem Bett, erhob er sich, steuerte auf mich zu, sah mir mit aufgerissenen Augen ins Gesicht und sagte zu mir:

"Du! Du kannst mir gar nichts, Jezebel!"








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Sonntag, 25. Oktober 2009

143_ Die Plath´sche Glocke 13!


Nach einem Monat war es dann soweit: ich bekam mein eigenes Apartment. Zuerst war die Freude darüber groß; endlich für mich sein und den Komfort einer kleinen Einrichtung genießen. Allerdings gab es einen beträchtlichen Haken an dieser Sache mit dem Apartment: Der Beamte würde mit einziehen! Ich war fassungslos, sprachlos und völlig von der Rolle. Wieso musste man ausgerechnet mir diesen Idioten mit auf´s Zimmer legen?
Das war allein meine Schuld. In den letzten Wochen hatte ich mich immer wieder über diesen Kerl ausgelassen, hatte keine Minute versäumt bei den verschiedenen Anwendungen über ihn her zu ziehen, was für ein lausiger Knabe er sei mit faschistoiden Ansichten und asozialem Benehmen. Ständig versuchte er die anderen zu analysieren, was sie für Problemchen hätten und dass ihr Gejammer über die große Welt da draußen nur ein Vorwand sei sich vor der Verantwortung zu drücken. Er war unausstehlich und von ihm selbst wusste niemand so genau, was ihn eigentlich hierher gebracht hatte. Und nun hockte dieser Scheißtyp auf seiner Bettkante in "meinem" Apartment, duschte unter "meiner" Dusche und kochte sich irgendeinen Scheiß in "meiner" Küche. Ich hatte keine Ahnung wie ich die nächsten Monate überstehen sollte.
Als ich meine Klamotten und meine Gitarre rüber ins andere Haus geschleppt hatte, begrüßte mich der Beamte mit Handschlag, was ich schon für äußerst verdächtig hielt. Dann fing er auf einmal an zu quatschen an und redete unentwegt von den ganzen Idioten hier; angefangen beim Personal bis hin zu den Verrückten, wie er ja auch einer war. Zuerst versuchte ich ihn zu ignorieren, aber da er nicht aufhörte, musste ich schließlich mal meine Meinung ausposaunen:
" Vielleicht erzählst du mir mal eines, ja? Was ist dein Problem? Wieso lenkst du eigentlich völlig von dir ab, in dem du ständig auf anderen herum hackst?"
Ich hatte mich auf mein Bett ihm gegenüber gesetzt und glotzte ihn nun direkt an. Er starrte zurück und es dauerte eine Zeit bis die Antwort kam.

"Na, das eben!" meinte er kurz und rieb sich mit beiden Handflächen die Hosenbeine, um eventuelle Knitter zu beseitigen.

"Wie?" fragte ich zurück.

"Ach, ich kann darüber nicht reden. Ihr macht mich alle völlig krank mit eurem Getue."

"Welchem Getue denn?" fragte ich ihn und ließ nicht locker.

"Andauernd Gejammer und Geflenne. Ich kann das nicht mehr hören. Wir müssen alle unser Päckchen tragen und es hilft nun mal nichts, dauernd zu heulen und zu kreischen. Wenn ich das täte!?

"Daher weht also der Wind! Dich stört unser Gejammer, ja?"

"Anstatt rum zu heulen, solltet ihr mal an euren Verhaltensmustern arbeiten. Niemand interessiert eurer Leiden oder eure Qualen. Ihr müsst da allein durch. Psychologengerede hilft doch auch nicht weiter. Die blättern dauernd in ihren Bücher und erzählen mir was von Zwängen und Ängsten, euch wahrscheinlich auch! Aber wem nützt denn das? Wenn ich da draußen bin," er nickte mit dem Kopf in Richtung Fenster, " dann stehe ich allein. Ich muss selbst sehen, wie ich mit meinen Problemen fertig werde."

"Die da wären?" fargte ich zurück.

"Das geht dich doch nichts an."

"Bitte!" meinte ich und stand auf, um mir meine Zigaretten zu holen. "Aber dann verstehe ich nicht, was du hier willst. Geh´doch!"

"Würde ich ja auch gern, aber man läßt mich nicht!"

"Wie? Man läßt dich nicht? Bist du denn nicht freiwillig hier?"

"Nein, meine Firma wie auch meine Frau behaupten, ich sei nicht mehr fähig... ach, egal, das geht dich nichts an!"

"Auch gut. Dann belassen wir es dabei, ja? Aber bleib´mir bloß weg mit deinen Ansichten über die angeblich Verrückten hier!"

Ich verließ mein neues Apartment und ging in den Aufenthaltsraum, der im anderen Flügel des Gebäudes lag, ärgerte mich über diese Verfügung mit so einem Idioten zusammen leben zu müssen. Wer hatte das überhaupt bestimmt, fragte ich mich? Außerdem war ich etwas irritiert über seine Aussage, dass seine Firma und seine Frau ihn hier wohl haben einweisen lassen, ohne seine Zustimmung. Was hatte der Kerl nur angestellt? Was war mit dem los?
Ich setzte mich neben Bernd, der wieder mal eine gehörige Ladung Beruhigungsmittel bekommen hatte und mit schiefen Kopf hin und her wippte.

"Sag´mal!" fing ich an und achtete nicht auf seine blöden Bewegungen, " was ist denn nun eigentlich mit dem Beamten los? Hat du eine Ahnung, warum der hier ist? Hat man den unfreiwillig hier abgeliefert?"

"Soweit ich weiß", sabberte Bernd, "hat ihn seine Frau in Absprache mit seiner Firma hier einliefern lassen, weil er sich nur noch wie ein Roboter benahm. In der Firma saß er stundenlang in ein und der selben Haltung am Schreibtisch, führte Selbstgespräche und schob ständig die Gegenstände hin und her. Wenn man ihn fragte, ob etwas sei, antwortete er nicht. Zu hause das gleiche Dilemma. Er schlief nicht mehr, sondern war ständig am machen, wischte, saugte, strich die Wände ständig neu an, bohnerte, räumte hin und her und seine Frau kam nicht gegen an. Er ist aber der Meinung völlig in Ordnung zu sein."

"Aha! Woher weißt du das denn?"

"Wir wurden informiert; zuerst von der Krankenschwester und dann später sogar von seiner Frau, die öfters zu Besuch ist. Er schickt sie aber immer wieder nach hause, will sie nicht sehen."

"Der ist wohl richtig fertig mit allem, was?"

"Oh ja!" sagte Bernd, " also viel Spaß mit dem! Habt ihr schon die Betten verteilt? Und wer kocht denn morgens den Kaffee?"

"Arschloch!" sagte ich und lachte.



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